Freitag, 29. Juni 2012

Religion gegen Kindeswohl - eine unnötige Diskussion

http://www.n-tv.de/politik/Muslime-Juden-Christen-einig-article6601556.html

Es ist schon interessant, was so ein kleines Stückchen Fleisch alles bewirken kann, finden ja plötzlich alle Religionsgemeinschaften zueinander, auch wenn sie sich sonst zuwider sind und jeden Konkurrenzgläubigen mit Neid betrachten. Flankiert werden sie natürlich von einem Volker Beck, aber der ist ja eigentlich überall anzutreffen, wo es günstig etwas abzustauben gibt - ich werde ihn deswegen in meinen weiteren Ausführungen auch nicht behandeln, wäre es ja zuviel der Ehre, welche ja nur dem gebührt, dem sie auch wirklich gebührt...oder so.

Vorneweg möchte ich dem Präsidenten des Kirchenamtes, Herrn Hans Ulrich Anke, folgenden Satz um die Ohren zischen: "Die Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht seien unzureichend gegen das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit abgewogen worden", ist der ja eine Frechheit sondergleichen, gibts ja nichts, was gegen die körperliche (und seelische) Unversehrtheit eines Kindes abgewogen werden darf - sie ist unantastbar, selbst wenn ein altes Buch etwas anderers sagt. Und auch die Eltern sind mir da gänzlich schnurz, kommt ja irgendwann ein Erzeugerpaar, das seinen eigenen Glauben eröffnet, wo man den Sprösslingen die Ohren abschneiden muss - alles gedeckt von der Religionsfreiheit, versteht sich, schließlich muss man ja abwägen und der Glaube geht nunmal vor.

Natürlich wird es nun zum Beschneidungstourismus kommen, werden gewissenlose Mamas und Papas ja einen Weg finden, damit die blutige Hautopferung durchgeführt werden kann, nur hat uns dies auch nicht zu jucken, müssten wir sonst ja auch den Drogenkonsum hierzulande legalisieren, gibts da ja auch eine Völkerwanderung nach Holland, weil es dort legal ist - wenn ein Esel aus dem Fenster springt, muss der nächste nicht unbedingt hinterherspringen.

Im übrigen möchte ich auch dem Oberrabbiner Jona Metzger etwas mit auf den Weg geben, so zeugt sein Satz "Ich hoffe sehr, nicht zu finsteren Zeiten gelangen, in denen Juden die Brit Mila (Beschneidung) in Kellern vornehmen müssen“ ja nicht unbedingt von einer großen Gesetzestreue, außerdem scheint er die Teilung von Kirche und Staat, die hierzulande gilt, nicht wirklich begriffen zu haben, gilt die ja auch für das Judentum - Extrawürste gibt es nicht, auch wenn man wiedermal die finstere Vergangenheit aus der Schublade holt, zeigt die ja immer Wirkung, wenn man argumentationsmäßig am Ende ist., darum wird sie ja herumgereicht, wie ein Wanderpokal - schwupps wird man zum Opfer und alle sind still.

Bei mir zieht das aber nicht, ists ja keine Ungleichbehandlung, wenn gleiches Recht für alle gilt - man darf eben sein Kind nicht schlagen und auch das Rumschnippeln ohne medizinischen Grund ist eine Körperverletzung, auch Onkel Thora und Tante Koran haben nicht das Recht dazu, ist ja Alter nicht zwingend ein Zeichen von Weisheit. Wobei ich die Verbissenheit, mit der gewisse alte Traditionen verteidigt werden, irgendwie eigenartig finde, schließlich würden wir noch auf Kamelen durch die Wüste reiten und aus Schlammlöchern Wasser holen, wenn wir in allen Lebenslagen so denken würden, auch würde so manch eine lebenslustige Braut noch am Scheiterhaufen verbrannt und einige besonders unliebsame Zeitgenossen sogar ans Kreuz genagelt werden, hätten wir uns nicht weiterentwickelt.
Das alles ist Vergangenheit, nur an den Kindern will man weiterhin rumsäbeln, damit man die Clanzugehörigkeit schon von klein an manifestieren kann, leiden ja alle spirituellen Gemeinschaften an massiven Mitgliederschwund, welcher bei einer nur dadurch ausgeglichen wird, in dem man alle bei der Geburt zwangsmitzählt, ist man ja sonst nicht die schnellstwachsende Religion der Welt, konvertiert ein Vogel ja nur äußerst schleppend - mehr wie 2 im Monat sind nicht drinnen.

Warum aber stimmen Kirchenvertreter ins Geflenne ein? Wahrscheinlich fürchten sie, dass in Zukunft kleinen Babys auch kein Wasser mehr übers Köpflein geschüttet werden darf, schließlich könnte ein Gericht ja auch dieses Ritual mit einer Altersbeschränkung versehen, deshalb lieber jetzt mitmurren, damit man nicht auch demnächst in diese missliche Lage kommt - der frühe Bischof fängt den Wurm. Ich würds ja gut finden, ist ja meiner Meinung Religion so gar nichts für Kinder und sollte erst ab 18 erlaubt sein. Ich übertreibe? Warum denn? Sie dürfen als Kind nicht rauchen, keinen Alkohol trinken und auch nicht Autofahren, und das ist auch gut so, jedoch hat keines der aufgezählten Dinge derartig viele Menschenleben gefordert, wie der Glaube - seit Generationen schlägt man sich deswegen den Schädel ein und tut dies noch heute, überall auf der Welt. Auch die Religion kann eben die Gesundheit gefährden. Es wäre gut, wenn wenigstens Kinder ihren Frieden hätten.

Guten Tag



Kommentare:

  1. Machterhalt und Machtausbau. Das sind wohl die Gründe, dass die Christen mit auf den Zug aufgesprungen sind.

    Aber die Argumente der Juden und Muslime sind ja schon lachhaft. In Deutschland könne das Judentum nicht mehr ausgelebt werden, weil sie nicht mehr an männlichen Säuglingen rumschnippeln dürfen ... wie muss ich mir das vorstellen? Wird da eine Art Schwanz-Kontrolle durchgeführt, bevor man ein Gotteshaus betreten darf? Merkwürdig...

    Und bei den Muslimen werden die Jungs eh erst später verstümmelt - warum können die nicht einfach ein paar Jahre warten, bis der junge Mann selbst entscheiden kann?

    Wenn die Politik jetzt einknickt, dann muss sie auch die Mädchenbeschneidung aus religiösen Gründen gestatten und natürlich den Muslimen das Steinigen, Hand abhacken, Ehrenmord und Zwangsheirat. Ist ja alles religiös verordnet.

    Clarimonde

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  2. Wahnwitzig ist doch auch die Presse, die behauptet "Überall Ablehnung für das Kölner Urteil gegen Beschneidung". Dabei waren in all den lebhaften Diskussionen im Internet die Gegner der Kinder-Beschneidung eindeutig in der Mehrheit.

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  3. Hört sich immer witzig an, wenn Juden und Moslems von Beeinträchtigungen reden. Wenn die von Beschneidungstourismus reden, sollten sie sich mal den Heiratstourismus in Israel anschauen. Mischehen, wie die dort genannt werden, richtig Interreligiöse Ehe, sind verboten. Deshalb wird im Ausland geheiratet. Die gehen sogar soweit, das nur die mit einer jüdischen Mutter auch Jude sind. 20 % der Israelis sind deshalb keine Juden, werden ausgegrenzt. . Im Islam genau so, hier ist es den Frauen verboten, außerhalb ihrer Religion zu heiraten. Die Christen sehen es ähnlich, es gibt teilweise noch Trauverweigerungen der Kirchen. Und was die nie kapieren ist, dass wir eine unabhängige Justiz haben, die aufgrund von Gesetzen entscheidet. Nicht aufgrund von Befindlichkeiten.

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    1. "Wenn die von Beschneidungstourismus reden, sollten sie sich mal den Heiratstourismus in Israel anschauen. Mischehen, wie die dort genannt werden, richtig Interreligiöse Ehe, sind verboten. Deshalb wird im Ausland geheiratet."

      Wo haben Sie denn diesen Quatsch her - aus dem letzten NPD-Seminar über Israel?

      Natürlich sind interreligiöse Ehen in Israel genauso erlaubt wie in Deutschland oder in anderen westlichen Ländern. Das, was Sie "Heiratstourismus" nennen, ist lediglich darin begründet, dass es in Israel keine standesamtlichen Trauungen gibt - das mögen viele Menschen nun mal nicht.

      Irgendwie wird man dieser Tage das Gefühl nicht los, dass seit dem Kölner Urteil auf vielen Anti-Islam- und Anti-Salafisten-Seiten so eine Art Hetze gegen die Religion als solche im Gange ist. Nun, ich bin zwar strikter Salafisten-Gegner, aber mit dieser pauschalen Ablehnung von Religion und religiösen Traditionen habe ich nichts im Sinn.

      Letztlich wird das ohnehin auf Deutschland beschränkt bleiben, denn im Rest der Welt hat man für die deutsche anti-religiöse Grundhaltung ohnehin keine Sympathie - und das ist auch gut so!

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    2. Die Nazikeule kannst du dir sparen. Ich bin in so einer Mischehe. Und informiere dich erst mal, bevor du Menschen diffamierst. Hier vier Links von Tausend. Offiziell sind keine Mischehen möglich, weil Staat und Kirche nicht trennbar sind. Es gibt kein Standesamt. Wer lesen kann, erfährt schnell das Mischehen als Bedrohung des Judentums angesehen werden.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Interreligi%C3%B6se_Ehe

      http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.1329.html

      http://de.wikipedia.org/wiki/Religionen_in_Israel

      http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Israel/ehegesetz.html

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    3. @ Fiat iustitia … und noch eins,

      „Letztlich wird das ohnehin auf Deutschland beschränkt bleiben, denn im Rest der Welt hat man für die deutsche anti-religiöse Grundhaltung ohnehin keine Sympathie - und das ist auch gut so!“

      Wer bist du, Sprecher des Vatikans? Der ist doch mit den Zahlungen aus Deutschland mehr als zufrieden. Wer von einer deutschen-anti-religiösen Grundhaltung schreibt, hat die Objektivität verloren. Man sollte vorsichtig sein, wenn man andere als Nazi tituliert und selber ein ganzes Volk an den Pranger stellt. Faschisten und religiöse Gutmenschen haben komischerweise oft ein gleiches Vokabular. Wenn in einem Blog, der Salafismus zum Thema hat, auch die Christen und die Juden Erwähnung finden, dann zeugt das nicht von einer Anti-Religiösen Einstellung, sondern von gemeinsamen Dogmen der Abrahamitische Religionen. Die Offenlegungen dieser Gemeinsamkeiten sind natürlich nicht gewünscht.

      Fiat iustitia, et pereat mundus! Gerechtigkeit um jeden Preis. Nur wer legt fest, was Gerechtigkeit ist?

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    4. Ich glaube kaum, dass dieses Urteil auf Deutschland beschränkt bleibt, wenn unsere Politiker in dieser Sache nicht einknicken. Einer muss ja anfangen und auch in den Köpfen von Muslimen und Juden hat sich etwas geändert und nicht alle wollen ein Ritual, das ihren Kindern unnötige Schmerzen zufügt.

      Zur "anti-religiösen" Haltung kann ich nur sagen, wir haben eine viel zu starke Frommen-Lobby. Ein harter Schnitt ist von Nöten. Was kaum einer weiß oder auch gerne verdrängt ist die Tatsache, dass die Kirchen in Deutschland wie die Made im Speck leben. Ihre Bischöfe werden von allen Steuerzahlern finanziert, ihre Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime werden zu 90 % aus Steuergeldern finanziert - die Kirchen investieren nicht in soziale Projekte, sie profitieren nur davon.

      Von "anti-religiösen Deutschen" kann also kaum die Rede sein. Höchsten von einem "anti-sozialen Verhalten" der Kirchen.

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    5. @anonym

      Ich geb's zu: Das mit dem NPD-Seminar zum Thema Israel war geraten. An dieser Stelle meines Beitrages war ich mir unsicher, ob ich vom "NPD-Seminar" oder vom Seminar der "Linkspartei" zum Thema Israel schreiben soll - die kann man beim Thema Israel einfach nicht mehr auseinanderhalten!

      Aber nachdem ich dann Ihren sehr aufschlußreichen Link der "AG-Friedensforschung" gelesen habe, kam mir der Gedanke, dass ich fast richtig geraten hätte!

      @ anonym2

      Das ausgerechnet jemand, der selbst anonym schreibt, mich nach meiner Identität fragt, entbehrt nicht eines gewissen Charmes. Aber wie dem auch sei: Ihr ideologisches Geschreibsel ist genau das, was ich meine.

      Die anti-religiöse Grundhaltung der Deutschen ist einfach eine Tatsache. Man muß Deutschland einfach nur gelegentlich verlassen - dann wird einem diese Tatsache schnell bewußt.

      Ursprünglich ging es mal um die Beschneidung. Und, nein, ich selber bin kein Freund derselben. Aber wenn ein Volk, dass ich selber in meinem Leben als erschreckend kinderUNfreundlich kennengelernt habe, bei der religiösen Beschneidung plötzlich kollektiv empört "Kindeswohl" schreit, dann werde ich mißtrauisch. Und wenn die Debatten dann schnell in einen kollektiven "Rundumschlag" gegen Christen, Juden und Muslime entarten, dann betrachte ich mein Mißtrauen als bestätigt. Und eine noch eindrucksvollere Bestätigung als ihre Zuschrift ist ja gar nicht mehr denkbar!

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    6. @Fiat iustitia ...wenn es nicht so primitiv wäre, könnte man sich über deine Aussagen amüsieren. Erst der Nazi, dann der Kommunist. Die Reihenfolge irritiert mich etwas, kommt der Vatikan doch eher mit Rechts als mit Links aus. Statt Fiat iustitia hättest du lieber den Urheber des Satzes als Nickname wählen sollen. Passt besser zu dir als das Wort Gerechtigkeit. Ob jetzt einer der wissenschaftlichen Mitarbeiter der Arbeitsgruppe an der Universität Kassel Mitglied der Linken ist, interessiert mich nicht. Ich lese auch Thesen der Kirchen. So was nennt man Meinungsbildung. Deinen Vergleich Kinderunfreundlichkeit und Verstümmelung lasse ich unkommentiert. Du scheinst wirklich ein Problem mit diesem Land zu haben. Außerdem, lieber Papst Hadrian VI., gehst du ähnlich wie die Salafisten nicht auf Sachfragen ein, sondern beleidigst nur. Du hast mich wegen des Begriffes Mischehe als Nazi tituliert. Aber eher hackt ihr Kanzelredner euch eine Hand ab, als etwas zuzugeben. Zum Beispiel das dieses Wort ein ewiges Thema nicht nur bei den Juden ist.

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    7. „Letztlich wird das ohnehin auf Deutschland beschränkt bleiben, denn im Rest der Welt hat man für die deutsche anti-religiöse Grundhaltung ohnehin keine Sympathie - und das ist auch gut so!“

      Wer des Englischen mächtig ist, kann ja mal nach nach entsprechenden Nachrichtenseiten gockeln.Die überwiegende Mehrheit der Leser lehnt dort ebenfalls die Verstümmelung von wehrlosen Kindern aus religiösen Gründen ab.

      Was die Antireligiösität betrifft - wie war das doch gleich mit dem Tanzverbot? Ich soll die Füße stillhalten, nur weil einige wenige den Gedanken nicht ertragen können, dass andere an diesem Tag die zwangsverordnete Trauer nicht mitmachen wollen?

      So, und nun warte ich auf den Standardspruch dazu ;)

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    8. "Du hast mich wegen des Begriffes Mischehe als Nazi tituliert." (Zitat anonym)

      Seit wann duzen wir uns?

      Wie dem auch sei: Es sind nun mal NPD und linksextreme Kräfte, denen wir die meisten Lügen über Israel zu verdanken haben. Aber wenn man solche Leute darauf anspricht, dann fangen sie sofort an zu heulen und beschweren sich, man hätte sie als "Nazi" tituliert - gähn!

      Aber vielen Dank für die ganzen eindrucksvollen Bestätigungen dafür, dass es hier eben nicht um die Beschneidung geht, schon gar nicht um irgendein "Kindeswohl" - sondern nur um die Hatz auf die Religion als solche.

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    9. Ich duze eigentlich den Nicknamen Fiat iustitia. Wenn der tatsächlich in deinem Ausweis steht, dann entschuldige ich mich bei IHNEN. Der Rest ist eindeutig Fundigequatsche. Wie die Salafisten nur ein armer verfolgter Täter.

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    10. @ Fiat iustitia So, wie ich hier immer wieder gerne Christine rechtgebe, muss ich Ihnen wirklich widersprechen. Ihre Meinung, wie das Ausland über das Deutsche Christentum denkt, ist freundlich beschrieben, desinformiert. In keinem Land der Erde brannten mehr Scheiterhaufen, keine Nation schaffte es fast, sich wegen einer Religion (30.jähriger Krieg) auszurotten usw. . Ein aktuelles Beispiel:

      1.Die EU-Grundrechte-Charta hat in der deutschen Fassung unter PRÄAMBEL den Eintrag.
      „In dem Bewusstsein ihres geistig-religiösen…“ .

      Das Wörtchen „religiösen“ kommt nur in der deutschen Übersetzung vor. Meine Anfrage beim Justizministerium wurde mit dem Hinweise Übersetzungsfehlers beantwortet. Das Außenministerium antwortete mir sinngemäß, egal was da steht. Nach Artikel 55 sind alle Sprachfassungen gültig. Beides entspricht nicht der Wahrheit! Die Wahrheit ist, es wurde vier Monate lang über den Begriff Christen, Religion und Gottesbezug diskutiert. Von den Deutschen. Selbst den erzkatholischen Iren oder den orthodoxen Griechen wurde der Fundamentalismus der Deutschen zu viel. Der CSU-Mann, der für die Verhandlungen verantwortlich war, fühlte sich wie ein Kreuzritter.

      Auszug:
      „Erlauben Sie mir, dass ich Ihnen kurz die Genese der EU-Grundrechtecharta skizziere, im Rahmen derer die Einbringung christlicher Werte in das Gesetzgebungsverfahren eine besondere Rolle gespielt hat. Zudem war ich an der Entstehung der Grundrechtecharta unmittelbar beteiligt, sodass ich, wie von Ihnen gewünscht, ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern kann. … In der ersten Fassung der Präambel fehlte in der Tat jeglicher religiöse Bezug, wohingegen das Grundrecht Religionsfreiheit von Beginn an vorgesehen war. Sämtliche Kirchenvertreter, die den Entstehungsprozess der Charta intensiv mitverfolgt haben, haben sich engagiert eingebracht, um in der Präambel einen Gottesbezug zu verankern. Als Wortführer der christdemokratischen Delegation innerhalb des Konventes und Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CSU (EAK) bin ich froh, dass es der christdemokratischen Delegation gelungen ist, zwar nicht das Wort ‚Gott‘, aber das geistig-religiöse Erbe Europas in der Präambel des Entwurfes der Charta schließlich … zu

      Dr. Ingo Friedrich, CSU Mitglied, Angehöriger des Konvents. Landesvorsitzender Evangelischen Arbeitskreises CSU stellvertretender Bundesvorsitzender des EAK .

      Das ist auch nicht ganz richtig. Er hatte nur die stillschweigende Erlaubnis der anderen 26, in die deutsche Charta Religiös-einzufügen .Da gaben die Deutschen endlich Ruhe. Übrigens, die CSU ist auch die einzige Partei im deutschen Bundesstag, die in erster Lesung das Grundgesetz u. a. wegen der Säkularisierung, ablehnte. Das Grundgesetz sei nur "ein Werk des säkularisierten Geistes unseres Jahrhunderts", wetterte der katholische Prälat und CSU-Landtagsabgeordnete Georg Meixner. Erst als sinngemäß intern erklärt wurde, man sollte nicht alles so wörtlich nehmen, was im Grundgesetz steht, wurde es in der zweiten Lesung durchgewinkt. Die CSU, die so gerne den Verfassungsschutz auf andere Parteien hetzt, steht selber außerhalb der Verfassung. Sie überhäufen die Kirchen mit Trägerschaften an Kindergärten oder Schulen. Ohne das der Steuerzahler davon etwas hat. Im Gegenteil, wie auch im caritativen Bereich zahlen die Kirchen fast nichts. Es werden immer mehr Menschen abhängig von den Moralvorschriften und Arbeitsbedingungen der Kirchen. Da wir gerade in Bayern sind. Seit Jahren versucht ein humanistischer Träger eine Privatschule in Bayern zu gründen. Die Behörden verweigern die Erlaubnis mit der Begründung, dass eine Schule ohne Gottesbezug gegen die Gesetze des Landes verstößt!? Wir reden hier von Deutschland, nicht vom Iran.

      Fiat iustitia Das Ausland sieht sehr gut, was in Deutschland passiert. Und was die sehen deckt sich ganz sicher nicht mit ihren Eindrücken. Ohne Napoleon wäre Deutschland heute noch mit allen seinen Konsequenzen ein Kirchenstaat. Alleine hätte die Deutschen es nicht geschafft. Das ist auch der Tenor im Ausland.

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    11. @ Verdun

      Zu ihrer Information sei gesagt, dass meine Eindrücke ausschließlich auf dem basieren, was mir Menschen anderer Länder persönlich, am Telefon oder im Netz erzählen. Und da höre ich schon seit Jahren immer wieder irritierte Nachfragen, ob es stimme, dass in Deutschland religiöse Menschen unerwünscht seien?

      Und in den letzten Tagen höre und lese ich die Frage, ob es stimme, dass jetzt in Deutschland gegen Juden und Muslime bzw. deren Religionsausübung vorgegangen wird?

      Ob man das tatsächlich so sehen kann, ist eine ganz andere Frage - da möge jeder seine eigene Meinung haben. Aber damit, dass bei vielen Menschen dieser Welt jetzt ein solcher Eindruck entstanden ist, bin ich in der Tat nicht gerade glücklich.

      Auf Napoleon, darauf, wie Deutschland ohne Napoleon wäre und auf alle anderen Dinge, über die Sie sich in Ihrem Beitrag so auslassen, hat mich übrigens im Ausland noch nie jemand angesprochen. Es ist viel einfacher: Die Menschen woanders wollen nur hören, dass ihre jeweilige Religion in Deutschland respektiert wird und gelebt werden kann und sie bei einem Besuch in Deutschland nichts wegen ihrer Religion zu befürchten haben. Mehr interessiert die Menschen woanders i.d.R. gar nicht, zu glauben, die Menschen würden sich mit Napoleon und der deutscher Religions-Geschichte beschäftigen, ist völlig "daneben". Mit Verlaub: Sie haben da die typisch oberlehrerhafte deutsche Art, mit der selbstfokussierte Deutsche gerne andere über "das Ausland" belehren, ohne selber zu bemerken, dass man unfreiwillig gerade die Unkenntnis desselben offenbart.

      Aber wenn plötzlich Dinge in der Zeitung stehen, welche die Akzeptanz der jeweiligen Religion in Frage stellen, dann reagieren Menschen mit heftigen Irritationen - und das verstehe ich auch.

      Und ich sehe auch keinen Widerspruch darin, mich einerseits gegen religiösen Extremismus wie den Salafismus zu engagieren, grundsätzlich jedoch die Religion anderer Menschen und ihren Wunsch nach Ausübung derselben zu respektieren.

      Dass ich selber nicht sonderlich religiös bin, würde ich in diesem Zusammenhang auch als völlig irrelevant verstehen. Ich persönlich finde deutsche Frauen, welche die simple Entfernung der männlichen Vorhaut als "barbarischen Akt" bezeichnen, genauso lächerlich wie amerikanische Frauen, die das Vorhandensein dieses Stückes Vorhaut als Grund betrachten, mit diesem Mann keinen Sex haben zu wollen. Mir ist im Moment weder das Geschrei der einen Seite wirklich verständlich, noch das der anderen Seite. Und die ganzen anderen Aspekte, die hier diskutiert werden, sind auch nicht meine Angelegenheit. Lediglich die Tatsache, dass gewisse Besonderheiten der israelischen Eheschließung hier falsch wiedergegeben wurden, hat mich zugegebenerweise etwas aufgeregt.

      Wirklich erschrocken bin ich nur darüber, dass deutsche Islam-Kritiker und Salafisten-Gegner nach den letzten Tagen pauschal als Menschen wahrgenommen werden, die gegen Religion und Religions-Ausübung kämpfen. Das ist der einzige Aspekt, der mich interessiert und im Moment beunruhigt. Alles andere sind in meinen Augen Debatten, bei denen es nur um Ideologie und nicht um Kindeswohl geht - und die mich genau deswegen auch nicht interessieren.

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    12. "Alles andere sind in meinen Augen Debatten, bei denen es nur um Ideologie und nicht um Kindeswohl geht"

      Nochmal - es war nicht zu meinem Wohl, eine ungewollte Religion dermassen in den Rachen geschoben zu bekommen. Wäre das nur eine unwichtige Befindlichkeit meinerseits, hätte diese wohl kaum Beachtung im Grundgesetz gefunden.

      Und wie soll bitte das irreversible Entfernen eines Körperteils, das weder ein Gesundheitsrisiko darstellt noch irgendwelche wirklich medizinisch haltbaren Vorteile bringt, sondern das Kind den Risiken des Eingriffs aussetzt, dem Kindeswohl beitragen? Das mit der Hygiene ist kein Argument, man lässt den Kindern auch nicht die Fingernägel rausreissen, nur weil sich darunter immer der Dreck sammelt.

      Genau das ist der Knackpunkt des Urteils und die Aufgabe des Gerichts, religiöses Tamtam und verstaubtes Denken ist kein ausreichender Grund für so einen Eingriff in das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit, denn das kann im Gegensatz zu einer medizinischen Indikation warten.

      "und die mich genau deswegen auch nicht interessieren."

      Und zum Glück interessieren die Grundrechte Ihre Meinung auch nicht.

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    13. "Nochmal - es war nicht zu meinem Wohl, eine ungewollte Religion dermassen in den Rachen geschoben zu bekommen. Wäre das nur eine unwichtige Befindlichkeit meinerseits, hätte diese wohl kaum Beachtung im Grundgesetz gefunden."

      Wen interessiert das?

      Wenn Sie mit Ihrer Religion "dermassen" unglücklich sind, dann machen Sie es wie ich: Treten Sie aus der Kirche aus. Aber tun Sie doch bitte nicht so, als müßte sich jetzt die Welt in eine andere Richtung drehen, nur weil Sie mit Ihrer Religion unglücklich waren oder sind - so wichtig sind Ihre persönlichen Befindlichkeiten nun mal nicht.

      Das Urteil selber macht mir am allerwenigsten Sorgen, denn das, was Sie als das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit bezeichnen, kollidiert mit den elterlichen Rechten und dem Grundrecht auf Religionsausübung. Und es bedarf nicht allzuviel Phantasie, sich bereits jetzt vorstellen zu können, dass eine höhere Instanz die letztgenannten Rechte für höherwertig erklären wird - was sie auch sind.

      Was mir Sorgen macht ist, dass jetzt der Eindruck entstanden ist, die deutschen Islam-Kritiker und Salafisten-Gegner kämpfen gegen die Religion als solches - dieser Eindruck wird auch durch das "Einkassieren" des Urteils nicht rückgängig gemacht. Und diese Verprellung von potentiellen Verbündeten wird sich, so fürchte ich, eines Tages noch sehr rächen. Aber wer nur selbstsüchtig sein eigenes Leben reflektiert, dem kann das natürlich völlig egal sein.

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    14. "Nochmal - es war nicht zu meinem Wohl, eine ungewollte Religion dermassen in den Rachen geschoben zu bekommen. Wäre das nur eine unwichtige Befindlichkeit meinerseits, hätte diese wohl kaum Beachtung im Grundgesetz gefunden."

      "Wen interessiert das?"

      Das Wohl des Kindes interessiert also doch nicht? Sowas aber auch, da hat man sich doch mit diesem Argument so weit aus dem Fenster gelehnt.

      Das Grundrecht auf Religionsausübung beinhaltet nicht, seine Religion anderen gewaltsam aufzuzwingen, auch nicht den eigenen Kindern. Ungestörte Ausübung der Religion hört da auf, wo die Rechte der anderen anfangen oder diese mit dem Strafgesetzbuch kollidiert. Sonst könnten wir die Salafisten hier ihr untreues Weibsvolk steinigen lassen, weil das zu deren freier Religionsausübung gehört.

      Wenn Grundrechte miteinander kollidieren, wird abgewogen, welches mehr Gewicht hat. Sie haben dazu lediglich eine andere Meinung als das Gericht.

      Ich glaube übrigens nicht, dass der Eindruck entstanden ist, dass Kritiker gegen die Religion an sich kämpfen, sondern nur gegen deren veraltete Verhaltensweisen ihrer anmassenden Vertreter. Soviel Weitsicht sollten sie Ihren Mitmenschen schon zutrauen.

      "Aber wer nur selbstsüchtig sein eigenes Leben reflektiert, dem kann das natürlich völlig egal sein."

      Was wissen Sie über mein Leben? Nix, ausser pauschalen Unterstellungen.
      Und danke für den Tipp mit dem Kirchenaustritt - wäre ich jetzt von alleine nicht draufgekommen...

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    15. Antwort 1
      „..mir Menschen anderer Länder persönlich erzählen.. ob es stimme, dass in Deutschland religiöse Menschen unerwünscht seien? …dass jetzt in Deutschland gegen Juden und Muslime bzw. deren Religionsausübung vorgegangen wird?“

      „…das tatsächlich so sehen kann … dass bei vielen Menschen dieser Welt jetzt ein solcher Eindruck entstanden ist, bin ich in der Tat nicht gerade glücklich.“

      „Die Menschen wollen das sie bei einem Besuch in Deutschland nichts wegen ihrer Religion zu befürchten haben“

      „Aber wenn plötzlich Dinge in der Zeitung stehen, welche die Akzeptanz der jeweiligen Religion in Frage stellen, dann reagieren Menschen mit heftigen Irritationen - und das verstehe ich auch.“

      Sie schreiben hier ernsthaft, dass Deutschland wegen Behinderung oder Verfolgung von Religionen international in der Kritik steht!? Ich habe mir Ihren Blog angeschaut, deshalb müsste eigentlich die einzige logische Fraktion für solche Anschuldigungen auszuschließen sein. Aber äußert merkwürdig. Ich würde Sie jetzt wirklich um eine offizielle Quelle bitten. Sie reden hier von einem Vorwurf, der aufgrund der deutschen Geschichte, weitreichende Folgen haben könnte. Sie behaupten, dass entweder staatlichen Stellen gegen Gläubige selbst vorgehen oder die staatlichen Stellen lassen es geschehen.

      „Sie haben da die typisch oberlehrerhafte deutsche Art, mit der selbstfokussierte Deutsche gerne andere über "das Ausland" belehren, ohne selber zu bemerken, dass man unfreiwillig gerade die Unkenntnis desselben offenbart.“

      Ich habe Ihnen, aufgrund Ihres Vorwurfes einer deutschen Anti-Religiösen Einstellung,nur ein Beispiel von vielen beschrieben. Ein Beispiel wie deutsche Staatsvertreter stets darauf achten, dass die christliche Religion und der Gottesbezug nicht zu kurz kommen. Sie können sich die Sitzungsprotokolle gerne durchlesen. Von den entnervten Vertretern der anderen EU-Ländern wird sicher keiner Zuhause von einer deutschen Anti-Religiöse Einstellung berichtet haben. Wissen Sie, wie letztendlich die „Einigung“ zustande kam. Der deutsche Vertreter meldete sich offiziell krank, die anderen hatten den Text der Charta innerhalb von 5.Min. abgesegnet. Natürlich ohne Religionsbezug. Als Schlusssatz wurde im Protokoll vermerkt. Aufgrund der Erkrankung des deutschen Vertreters kann es in Deutschland zu Übersetzungsfehlern kommen. Zudem finde ich auffällig an Ihren Satz, deutsche Art und selbstfokussierte Deutsche.

      „Und ich sehe auch keinen Widerspruch darin, mich einerseits gegen religiösen Extremismus wie den Salafismus zu engagieren, grundsätzlich jedoch die Religion anderer Menschen und ihren Wunsch nach Ausübung derselben zu respektieren.“

      Wer sieht denn da einen Widerspruch?

      „Dass ich selber nicht sonderlich religiös bin, würde ich in diesem Zusammenhang auch als völlig irrelevant verstehen.“

      Selbst wenn man religiös ist, sollte man sich gegen Extremismus wehren. Irrelevant ist es nicht mehr, wenn Fundamentalisten sich über Anti-Religiöse Tendenzen beschweren. Aber Sie teilen hier ja mit, dass Sie kein Fundamentalist sind.

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    16. Antwort 2
      „Ich persönlich finde deutsche Frauen, welche die simple Entfernung der männlichen Vorhaut als "barbarischen Akt" bezeichnen, genauso lächerlich wie amerikanische Frauen, die das Vorhandensein dieses Stückes Vorhaut als Grund betrachten, mit diesem Mann keinen Sex haben zu wollen.“

      Wenn Sie sich auf die Kommentare hier berufen, lese ich, dass es den Frauen ziemlich egal ist. Und wie so stellen Sie die Gegner der Beschneidung in die sexuelle Ecke? Festzuhalten ist, dass wir hier von einem religiösen Ritual der Religionen Judentum und Islam schreiben. Die Massai haben auch die Beschneidung, zudem Helix-Piercings und eingeschnittene sowie geweitete Ohrlöcher. Bei Frauen wird Genitalbeschneidung praktiziert. Tätowierung sind wieder woanders religiöse Zeichen. Das können wir jetzt so fortführen. Dann melden sich wieder Religionen, die insgesamt dauerhafte Veränderungen des menschlichen Körpers verbieten. An erster Stelle, man glaubt es kaum, der Islam und das Judentum. Nach 3 Moses 21.5 sollen sich keine Male in den Leib geschnitten werden. Im Islam wird jeder verflucht, der unveränderliche Male (z. B. Tätowierungen) an sich trägt. Die eigenen religiösen Eingriffe am Körper werden nicht tabuisiert. Wo soll jetzt Ihrer Meinung nach der Staat eingreifen? Soll er alle Religionen freie Hand geben? Den Eltern erlauben, nach ihren eigenen, persönlichen und religiösen Vorstellungen den Kindern unwiederbringlich körperliche Merkmale anzutun? Oder soll der Staat unterscheiden, welche Rituale als barbarisch einzustufen sind und welche nicht? Oder sollte er nicht das tun, wozu ihn das Grundgesetz verpflichtet? Neutralität bewahren und die informelle Selbstbestimmung des Kindes schützen. Wenn Menschen sich entschließen einer Religion beizutreten, sollte das in einem selbstbestimmenden Alter passieren. Dann kann dieser auch bewusst seinen Schritt genießen. Wie Sie schreiben, z. B. im Judentum und Islam, mit dem „simplen“ Eingriff einer Beschneidung. Da kann selbst jeder, wenn er zurechnungsfähig ist, das Eunuchentum wiederbeleben.

      „Lediglich die Tatsache, dass gewisse Besonderheiten der israelischen Eheschließung hier falsch wiedergegeben wurden, hat mich zugegebenerweise etwas aufgeregt.“

      Ich habe hier keine Unwahrheiten gelesen. Der israelitische Heiratstourismus nach Zypern ist Fakt. Zuzufügen ist nur, dass nicht nur die jüdische Religion interreligiösen Ehen verweigert, auch Imame und Priester verweigern solche Verbindungen in Israel. Gleiche Dogmen! Anerkennen muss Israel diese im Ausland geschlossen Ehen aufgrund internationaler Verträge. Das ist das Schlupfloch für diese Menschen. Das ist ein ganz offenes Thema in Israel. Wer diese Fakten leugnet, disqualifiziert sich als Diskussionspartner.

      „ bei denen es nur um Ideologie und nicht um Kindeswohl geht“

      Sie schreiben hier als Einziger von Religionsfreiheit und Elternrechte. Mit keinem Wort erwähnen Sie Kinderechte. Nennt man so was nicht Ideologien verteidigen?

      „ … was Sie als das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit bezeichnen, kollidiert mit den elterlichen Rechten und dem Grundrecht auf Religionsausübung. Und es bedarf nicht allzuviel Phantasie, sich bereits jetzt vorstellen zu können, dass eine höhere Instanz die letztgenannten Rechte für höherwertig erklären wird“

      Wie gesagt, sie setzen Ihre persönlichen Schwerpunkte.

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    17. @ Verdun

      Ihre Bitte nach einer offiziellen Quelle vermag ich jetzt nicht zu verstehen; Ich erwähnte bereits, dass meine Eindrücke aus persönlichen Gesprächen resultieren.

      Es gibt da verschiedene Möglichkeiten: Man kann z.B. - wie der Betreiber dieses Blogs - einen deutschen Zeitungsartikel anführen, der beschreibt, wie "einsichtig" doch viele Türken auf dieses Urteil reagieren. Und das dann als Beleg dafür anführen, wie "einsichtig" Türken doch seien - und wie uneinsichtig Israelis doch seien. Besonders lustig wird es, wenn man das noch - analog zu Polenz oder Wieczorek-Zeul - mit der Aussage garniert, man sei ja ein Freund Israels. Hätte ich nicht gemacht - aber kann man tun.

      Oder man spricht mit Menschen persönlich und hört sich an, wie die etwas wahrnehmen oder sehen. Da muss einem nicht immer gefallen, was man hört - aber ich halte das immer noch für die beste Möglichkeit, sich einen Eindruck zu bilden. Ich selber bin ein Freund der letzten Methode. Und ich gebe auch ehrlich zu, dass ich das, was mir Israelis über den "Heiratstourismus" und seine Gründe erzählen, immer erst einmal für glaubwürdiger halte, als das, was mir deutsche "Quellen" darüber erzählen. Für amerikanische Sexual- oder andere Gewohnheiten gilt das sowieso schon mal, denn das, was man dort selber erlebt und das, was in Deutschland über amerikanische Sitten so erzählt wird, sind sowieso zwei verschiedene Dinge, die eher wenig miteinander zu tun haben - auch wenn in deutschen Kommentar-Bereichen hie und da mal was erzählt wird, was zufälligerweise zutrifft.

      Aber meine Gesprächspartner sind ganz normale Menschen, keine Religions-Wissenschaftler oder Historiker - was vielleicht die Diskrepanz zu Ihren Ausführungen erklärt.

      Und, ja, ich setzte meine eigenen Schwerpunkte. Es ist mir weder in den USA gelungen, zu verstehen, warum vielen Menschen dort die Entfernung dieses kleinen Stückchen Hautes so wichtig ist, noch verstehe ich, warum deutsche Frauen ein solches Theater daraus machen. Aber ich weiß, dass ich 2004 zum ersten Male in den USA gefragt wurde, ob es stimme, dass religiöse Menschen in Deutschland unerwünscht seien? Und über das, was ich in den letzten Tagen gehört habe, bin ich alles andere als glücklich.

      Und ganz besonders beunruhigt mich, dass die deutsche Islam-Kritik und Salafisten-Gegner jetzt pauschal als anti-religiös wahrgenommen werden. Da hoffe ich wirklich, dass dieser Eindruck sich wieder legt oder sonstwie verschwimmt. Denn sollte das wirklich zu einer dauerhaften Wahrnehmung werden, dann werden Islam-Kritik und Salafisten-Gegner dauerhaft ein weiteres Problem haben. Und dass man in Deutschland als Islam-Kritiker bzw. Salafisten-Gegner permanent als "rechtsradikal" diffamiert wird, reicht mir schon völlig - da hätte es das nun wirklich nicht gebraucht!

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    18. Anmerkung: Ich hätte auch einen türkischen Artikel nehmen können, jedoch werden den viele nicht verstehen. Oder tun Sies?

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    19. Nein, Kollege, ich verstehe kein Türkisch. Ich weiss auch nicht, was wirklich in der Türkei diskutiert wird. Und da ich es nicht weiss, möchte ich mir darüber auch kein Urteil erlauben.

      Aber ich habe in den letzten Jahren immer wieder beobachtet, wie deutsche Medien Diskussionen in den USA dargestellt haben. Oder besser: Verdreht haben. Deswegen frage ich mich, ob die deutsche Presse da nicht vielmehr beschreibt, welche Debatten man sich in der Türkei wünschen würde?

      Was in anderen Ländern tatsächlich debattiert wird und wie deutsche Medien das darstellen, sind in meiner bescheidenen Erfahrung traditionell zwei verschiedene Dinge.

      Bei der Gelegenheit: Wieso fragen Sie nach Israel? Wenn Sie die israelischen Reaktionen interessieren, schauen Sie auf ynet.com oder auf die Internet-Seite der "Jerusalem Post". Aber ich wäre überrascht, wenn die sich für unsere Debatten interessieren würden. Aber falls doch, so können Sie's ja Ihren Lesern mitteilen.

      Ich bin nur etwas überrascht, dass Sie die türkische "Einsichtsfähigkeit" loben, aber mit keinem Wort erwähnen, dass die jüdischen Kliniken in Deutschland sich diesem Urteil sofort gebeugt haben - während Herr Mazyek immer noch tobt.

      Mit den Grautönen, die Sie so schön in ihrem gelungenen letzten Beitrag beschrieben haben, ist das so eine Sache: Um sie zu sehen, sollten sie schon da sein.

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    20. Warum soll ich schreiben, wenn sich jemand an die Gesetze hält? Ist das nicht normal? Oder muss ich jetzt bei jedem in Ehrfurcht verfallen, der demnächst nicht bei Rot über die Ampel fährt?

      Ich versuche nur gerecht zu sein, was mir nicht immer gelingen mag, aber ich gebe mein Bestes. Für diese Freund und Feind Berichterstattung bin ich deshalb auch nicht zu haben - jeder hat Kritik zu ertragen und keiner hat einen Persilschein, nur weil es gerade mächtig angesagt ist mit der Israelflagge zu winken. Das mag ein Axel Springer gut gefunden haben, ich jedoch muss dies nicht.

      Das heißt nicht, dass ich ein Feind von irgendjemanden bin, sondern nur, dass ich auch die Schattenseiten sehe und zwar bei jedem. Das mag zwar gerade nicht wirklich modern sein, aber das war ich noch nie, deshalb brauch ich es auch in Zukunft nicht, außerdem steht mir die rosa Brille nicht wirklich.

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    21. Respekt, Kollege - das waren gute Worte.

      Ich mag eine andere Meinung haben, ich selber halte Gerechtigkeit für eine Fiktion. Ich habe damit auch deshalb ein Problem, weil alle totalitären Ideologien sich auf Gerechtigkeit berufen. Deswegen strebe ich nicht nach Gerechtigkeit, sondern versuche Position zu beziehen.

      Aber das ist jetzt egal, entscheidend ist, dass das, was Sie gerade geschrieben haben, sich völlig anders liest, als ihre üblichen Lästereien, mit denen Sie alles und jeden niedermachen.

      Mir ist bewußt, dass viele meiner Leser auch ihre Leser sind. Deswegen sollte ich Sie eigentlich loben, schon um meine eigenen Leser nicht zu verärgern. Aber ich sollte ehrlich zugeben, dass ich nichts damit anfangen kann, wenn jemand jeden Tag immer nur in alle Richtungen austeilt. Dass Sie ein guter Autor sind, macht dieses Eindreschen auf alles und jeden für mich nicht besser.

      Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung, viele meiner Leser sehen das anders und loben Ihren Blog, eben weil Sie über alles und jeden lästern.

      Es ist nur komisch: Zu den ganz wenigen Dingen, die Sie in letzter Zeit nicht "niedergemacht" haben, hat der "Friedensmarsch" gehört, der am 23.6. in Bonn stattgefunden hat. Unsere Recherchen haben übrigens ergeben, dass der von deutschen Muslim-Brüdern organisiert war - die Sie, wie Sie an anderer Stelle erzählen, eigentlich nicht mögen.

      In gewisser Weise haben Sie mich übrigens gerade daran erinnert, dass ich, obwohl ich mit dem Gerechtigkeits-Begriff so meine Probleme habe, dennoch versuche, jemandem gerecht zu werden: Nämlich der Gruppe der Salafisten-Gegner.

      Sie ahnen gar nicht, wie oft ich da schon Dinge, die mir schwer mißfallen haben, auf meinem Blog für mich behalten habe. Nur glaube ich nicht, dass ich Gutes tun würde, wenn ich mich immer nur über alles auslassen würde, was mir nicht gefällt und ich an allen und niemandem ein gutes Haar lassen würde. Denn letztlich betreiben wir das doch nicht, um uns einmal täglich über andere zu erheben, sondern dazu, etwas zu erreichen. Sie doch auch, oder?

      Das jedenfalls ist meine Haltung. Die müssen Sie nicht teilen, aber ich würde es schon als Erfolg für mich begreifen, wenn Sie diese Haltung nicht gleich mit süffisanten Worten abqualifizieren würden.

      Kollegiale Grüsse

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    22. @ Fiat iustitia
      Ich lese, Sie halten Gerechtigkeit für Fiktion. Ihre Argumente liegen in der gleichen Schublade. Ein fiktiver Moralist, der mit fiktiven Argumenten eine fiktive Gerechtigkeit fordert. Ein farbenblinder wirklichkeitsausblendender Mahner, der nur zu Schwarz-Weiß-Denken fähig ist und einer Mitte zwischen zwei Dingen die Existenz abspricht. Großer Hüter der einseitigen Medaille, lauert in seiner Scheinwelt doch auf der Rückseite das Antlitz der Medusa.

      “Fiat iustitia, et pereat mundus.”

      „Es herrsche Gerechtigkeit, die Schelme in der Welt mögen auch insgesamt daran zugrunde gehen.“

      Immanuel Kants freie Übersetzung passt zu Ihnen. Ich hoffe, ich habe mich klar genug ausgedrückt, was ich von solchen Brandstiftern wie Ihnen halte.

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  4. Für mich verstösst auch die Säuglingstaufe eindeutig gegen die Religionsfreiheit. Auch bei der Kommunion kann noch nicht wirklich von freiem Willen gesprochen werden. Unbedarft wie Kinder in diesem Alter nun mal sind, fand ich das auch noch klasse, wie eine kleine Prinzessin rausgeputzt und mit Geschenken überhäuft zu werden. Die Tragweite dessen war mir kein bißchen bewusst. Bei der Firmung sah das schon anders aus, die wollte ich absolut nicht, da meine Zweifel gegen Kirche und Christentum stetig wuchsen. Schlussendlich bekam ich so lange Hausarrest, bis ich zustimmte, da meine Mutter den Druck und Kritik der in einem konservativen Kuhkaff in Bayern lebenden Verwandtschaft fürchtete. Der zweite Versuch, von meiner Religionsfreiheit Gebrauch zu machen scheiterte am Oberdrachen der Pinguinschule. Das gottesfürchtige, verbissene Fräulein drohte mir mit Rausschmiss, falls ich austreten sollte. Wieder nix. Nach Beendigung der Schule dann endlich stolz aufs Standesamt und den freien Willen in Form des Kirchenaustritts erklärt. Verbot mütterlicherseits, der Verwandtschaft bloß nix zu erzählen gepflegt ignoriert, Befürchtungen aber umsonst gewesen.

    Ich kann das Urteil nur mehr als begrüßen und schließe mich da Georg E. an, das Alter für religiöse Bekenntnisse aller Art ausreichend nach oben zu setzen.

    Im übrigen die absolute Frechheit und Höhe, zu behaupten, die Beschneidung als schütze vor Infektionen (HIV und HPV), da sich Viren einen Dreck um das fehlende Häutchen scheren. Soll das heißen, man könne sich den Gummiüberzieher (der ja religiös gesehen bäh ist, da er die Chance auf gottgewollten Nachwuchs sehr stark einschränkt) sparen und unbesorgt die Nudel überall reinstecken? Darf doch wohl nicht wahr sein!!!

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    1. @Christine, ich bin wieder völlig bei Ihnen.
      Die Kirchensteuerpflicht beginnt mit der Taufe, weil diese den Kircheneintritt auch bei den staatlichen Stellen darstellt. Das Baby geht also mit der Taufe eine rechtsgültige Verpflichtung ein. Absoluter Verfassungsbruch. Gegen Gebühren, die größte Frechheit, kann man später die steuerlichen Pflichten beseitigen, aber eben nur die steuerlichen Pflichten. Die Katholische Kirche kennt keinen Austritt aus der Glaubensgemeinschaft Kirche, da eine Taufe nicht rückgängig gemacht werden kann und die katholische Kirche sich, als die Gemeinschaft der Getauften versteht. Nur steuerrechtlich kann man sich abmelden.

      Beispiel Zitat
      "Dass die katholische Kirche theologisch und spirituell keinen ´Kirchenaustritt` kennt, wenn man darunter den völligen Verlust der durch Glaube und Taufe grundgelegten Zugehörigkeit zu Jesus Christus und der Kirche versteht. So gilt durchaus der alte Grundsatz: Semel catholicus, semper catholicus, das heißt: einmal katholisch, immer katholisch."

      Mainzer Kardinal Karl Lehmann 19.03.2011

      Bischof Overbeck sagte mal, mit dem Kirchenaustritt verletze man Jesus persönlich. Für einige gläubige Christen, die die Nase von der Kirche vollhaben, ein tiefes Problem. Warum der deutsche Staat bei diesem Treiben mitmacht, unverständlich. Genauso die Kirchensteuer. Sie darf, was auch rege angenommen wird, zu 100% als Sonderausgabe abgesetzt werden. Letztendlich zahlen alle Steuerzahler, unabhängig vom Glauben, die Kirchensteuer. Die Kirchen sind auch die einzigen Religionen, die ihr Recht auf Steuer wahrnehmen. Damit kommt jetzt der nächste Verfassungsbruch. Aufgrund der deutschen Geschichte hat ein jeder das Recht, seine Religion zu verschweigen, eben Privatsache. Dadurch, dass der Staat Steuereintreiber der Kirchen ist, ist aber jeder, ob Christ oder nicht, gezwungen seinen Glauben offenzulegen. Ob beim Arbeitgeber oder bei staatlichen Stellen. Man weiß wieder wer Jude, Christ, Moslem oder Atheist ist.

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  5. Diese Westerwellis und rotgefärbten grünen Claudias dieser Welt hätten sich einmal den folgenden Artikel durchlesen sollen, bevor sie sich in einer arschkriecherichen Haltung zu dieser Angelegenheit in einer Weise äußern, dass man nur noch in den Kübel göbeln möchte.

    Westerwelli:

    "Es muss klar sein, dass Deutschland ein weltoffenes und tolerantes Land ist, in dem die Religionsfreiheit fest verankert ist und in dem religiöse Traditionen wie die Beschneidung als Ausdruck religiöser Vielfalt geschützt sind"



    Die rotgefärbte grüne Zora:

    "Als erste Konsequenz aus dem Urteil setzt die rotgefärbte grüne Zora zunächst auf Aufklärung. Das Urteil sei realitätsfremd, sagte sie der dpa in Berlin."


    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article107288230/Die-Beschneidung-ein-unnuetzes-Opfer-fuer-Allah.html


    Mir fällt zu diesen scheinheiligen Wasserträgern nichts mehr ein und dass dieses Politiker mit ihren Aussagen nicht mehr am Pranger landen können, haben sie nur unserem geistigen Fortschritt und unseren gesammelten Erfahrungen aus der Geschichte zu verdanken, denn sonnst müssten sie alle am Pranger stehen und die Stein- und Spuckattacken über sich ergehen lassen. Wenn das so weiter geht dass die körperliche Unversehrtheit eines Kindes unter dem Wohl einer Religion stehen bleibt, dann dürften auch die Sikhs und Jains wie auch die Hindus den Leichnam der Verstorbenen auf dem Scheiterhaufen verbrennen und die Parsen dürften dann ihre Toten auf eigens dafür gebaute Türme den Raubvögeln zum Fraß vorsetzen.


    Deutschland im Jahre 2012, wo es immer noch viele Dumpfbacken gibt, die meinen zu glauben ihre Religion über das wohl des Kindes zu stellen, und dass oft ungeachtet dessen ob es ihr eigenes Kind ist oder nicht!

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  6. Bei Westerwelle versteh ich das in mehrfacher Hinsicht nicht. Wie kann er sexuelle Selbstbestimmung predigen und gleichzeitig Kindern das Recht darauf schon frühzeitig nehmen lassen? Vom den medizinischen Folgen mal abgesehen sind Homosexuelle im Islam so was von haram....., die hängen gelegentlich sogar an Baukränen munkelt man.......

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  7. Der Zentralrat der Juden wettert doch
    genauso gegen das Urteil.
    http://www.zentralratdjuden.de/de/article/3705.html
    Nur weil die Kliniken sich gebeugt haben, heißt es nicht, dass es andere ebenso tun.Davon mal abgesehen, konnte ich den Berichten nicht entnehmen, dass alle jüdischen Kliniken sich beugen.

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