Ich habe gestern eine interessante Diskussion geführt, welche zwar an sich nichts mit dem Salafismus zu tun hat, an welcher ich Sie aber trotzdem teilhaben lassen möchte, ging es darum ja um die Islamkonferenz und die NSU-Morde und was man danach sagen darf und was nicht. Zu allerst lesen Sie bitte den folgenden Artikel aus der FAZ und lassen Sie ihn bitte auf sich wirken:
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/harte-bretter-zumutungen-des-rechtsstaates-12175994.html
Und nun lesen Sie bitte den Gegenkommentar:
http://www.publikative.org/2013/05/10/faz-integrationsunwillige-mitschuldig-am-nsu-terror/
Nein, ich bin kein Freund der publizistischen Ergüsse eines Jasper von Altenbockum, ist seine Lichtenhagen-Verharmlosung ja unter aller Sau, jedoch trifft dies meiner Meinung nicht auf den obigen Artikel zu, entbehren die erhobenen Vorwürfe ja jeglicher Grundlage und es zeigt vielmehr, dass man in diesem Lande wieder nichts gelernt hat und dies leider auch in Zukunft nicht tun wird, übt man sich ja - wie immer nach derartigen Verbrechen - in Wortverbiegungen und Schuldzuweisungen, lässt aber die Wurzel des Übels unbehandelt und gibt sich dafür lieber einer ausufernden Selbstzensur hin.
Wie? Ob ich Sympathien für die Rechten hege? Im Gegenteil, so verachte ich diese Bande ja abgrundtief und ich denke (und hoffe), dass dies hierzulande die überwiegende Mehrheit tut, weswegen ich auch nicht verstehen kann, dass man ihnen viele wichtige Themen überlässt, nur damit man sich selber nicht dem Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit aussetzen muss. Um diesem schiefen Licht zu entgehen, welches einem bei kritischen und unbequemen Worten gerne entleuchtet, verbietet man sich nun einfach das Denken, hängt sich fast untertänig ans Bein der jeweiligen Opfer, und man geht zornig auf jegliche vermeintlich unkorrekte Äußerung los, beißt man ja genüsslich in jede Wade, die sich einem auf dem selbstgewählten Weg der Ritterlichkeit bietet.
Damit, meine Herrschaften, hilft man aber niemanden, so kann man selbst die dümmsten Vorurteile nicht mit einem heroischen Schweigen aus der Welt hocken, sondern verfestigt sie so im Gegenteil zu einer immer höher werdenden Mauer, welche immer schwerer eingerissen werden kann, befindet sie sich ja in den Köpfen und dahin dringt man nur schwerlich vor.
Was aber dagegen tun und wie beseitigt man die immer breiter werdende Kluft zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen dauerhaft? Meiner Meinung nur mit offenen Worten und eben Kritik, welche sich jede "Seite" ohne einer Orgie des Beleidigtseins anhören muss, und mit einer angeschlossenen Suche nach den Ursachen - so zum Beispiel zu dieser Studie, welche 50 Prozent der Deutschen eine Islamfeindlichkeit attestiert:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article115664989/Jeder-Zweite-haelt-den-Islam-fuer-eine-Bedrohung.html
Auch alles islamophobe Rassisten? Alles Nazis? Grundlose Panikmache, gesteuert von parolenschwingenden Hassbolzen? Oder gibt es da vielleicht doch einen Grund für die Ängste der Menschen? Wie? Viele davon sind unbegründet? Mag sein, jedoch wird ein politisch-überkorrektes Drüberfahren daran nichts ändern, genausowenig wie daran:
http://www.mdr.de/nachrichten/studie-rechtsextremismus-uni-leipzig100.html
Auch dagegen wird ein simples "Buuuuuuuh!" mit angeschlossenem "Bäääääääh" nicht wirklich zum Erfolg führen, wird dies im Gegenteil diese falsche Sicht auf Zuwanderer ja noch verfestigen. Und auch umgekehrt ist eine erschreckende Tendenz zu erkennen....
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/studie-zu-deutsch-tuerken-integrationswillen-steigt-religiositaet-auch-a-850429.html
...welche zeigt, dass eben wirklich alles ineinander greift, wobei kein Mensch mehr weiß, ob die Henne zuerst da war, oder doch das Ei. Ein simples Dafür- und Dagegensein ist zur Lösung dieses schwellenden Konflikts allerdings auf jeden Falle kontraproduktiv, weswegen wir uns gerade nach den NSU-Morden nicht einer Selbstgeißelung hingeben sollten. Natürlich müssen die noch lebenden Täter bestraft und die Rolle der Behörden rückhaltlos aufgedeckt werden, aber gleichzeitig müssen wir alle die Ärmel aufkrempeln und miteinander reden. Schonungslos, offen und auch jeder bereit zum Kehren vor der eigenen Tür. Und wir müssen vor allem die Ängste der Menschen ernst nehmen und zwar von allen, kann man sie ja nur so ausräumen. Finde ich zumindest. Was denken Sie?
Guten Tag